Brief des
Präsidenten
Liebe Club-Mitgliederinnen und Mitglieder,
Ende April 2004 wurde während der Generalversammlung des Schweizerclubs das
neue Komitee für die nächsten 2 Jahre gewählt. Der neu gewählte Vorstand,
inklusive Ersatzkomitee, hat die ersten Aufgaben wie zum Beispiel das neue
Erscheinungsbild unserer Internetseite, mit Erfolg in Angriff genommen,
und ich freue mich diesem als Präsident vorzustehen.
Steht die Generalversammlung bevor, kommt der Zeitpunkt, in dem man
nochmals die letzten 2 Jahre im Kopfe „revue“ passieren lässt und sich
fragt, ob man die gesetzten Ziele erreicht hat oder nicht. Die Antwort
dazu können eigentlich nur Sie, geschätzte Mitglieder, geben.
Eine meiner wichtigsten Fragen ist eigentlich die Wertstellung eines
Clubs in der heutigen Zeit: Wenn ich an meine Grosseltern
zurückdenke, war doch früher ein Abend in einem Restaurant oder die
Möglichkeit zu haben, an einem Clubanlass teilzunehmen, etwas
spezielles. Es hat sich vieles geändert in der heutigen Zeit. Man
ist froh, wenn man an einem Abend mal keine Einladung oder sonstige
Verpflichtungen hat. Ich kenne dieses
Gefühl zu genüge. Ist man doch heutzutage geschäftlich sehr
engagiert und viele Anlässe sind wahrzunehmen.Zudem kommt auch noch das Gefühl der
„Dazugehörigkeit“, was mit sich bringt, dass alle „In“-Plätze und
Restaurants besucht werden müssen, um am Small-Talk mithalten zu können.
Bei all diesen Verpflichtungen kommt nun die Frage auf, habe ich da noch
Zeit für ein Clubleben?
Ich bin überzeugt, dass der Schweizerclub für viele eine wichtige
Anlaufstelle ist und auch nicht wegzudenken ist. Man kann sich mal für
eine kurze Zeit in eine andere Welt versetzen, und den Stress des Alltags
vergessen. Ich hoffe sehr, meine verehrten Mitglieder, dass Sie diese
Meinung mit mir teilen und dass Sie einige unserer Jahresanlässe besuchen
werden, um gemeinsam den Alltagsstress zu vergessen.
Wir, das Komitee des Schweizerclubs, freuen uns sehr, Sie an unseren
Anlässen begrüssen zu dürfen und zusammen gemütliche und ungezwungene
Stunden zu verbringen.
Andreas Schori, Präsident
Istanbul, den 10.06.2004
Vorstandsmitglieder
2010 - 2012
|
Vorstandsmitglieder:
Andreas Schori, Präsident
Corina Bilhan, Vizepräsidentin
Erich Ruppen, Sekretär und ASO-Vertreter
Genevieve Beygo, Buchhalterin
Edith Heidelberger, Mitglied |
Mitglieder des
Ersatzvorstandes:
İsak Eskinazi
Joan-Claire Gottraux Svikovsky
Merthan Unternährer
Stephan Jung
Adem Kurtlulmuş
|
|
Prüfungsausschuss:
Burak Demiriz
Anton Hostettler
Faruk Avunduk |
Prüfungsausschuss-Ersatz
Yves Grandjean
Nil Hostettler
Lorella Renggli |
Auf den Spuren des Schweizer Club
Istanbul
Istanbul ist die einzige Stadt auf zwei Kontinenten und zugleich eine
der grössten und ältesten noch bestehenden Städte der Welt. Eine
Metropole mit vielen Gesichtern: Sie zieht jährlich Millionen von
ausländische Touristen ebenso an wie mittellose Landflüchtige aus der
ganzen Region. Istanbul ist prachtvoll und nervenaufreibend zugleich.
Hier leben über 15 Millionen Menschen in einem Durchmesser von 350
Kilometern eng aufeinander, und sie wächst unkontrolliert weiter...
So zog es auch uns einst nach Istanbul. Warum es uns ausgerechnet
hierher trieb, hat verschiedene Gründen: berufliche, weil wir von der
Firma entsandt wurden oder private, weil wir uns hier bessere Chancen
versprachen oder weil wir einen türkischen Lebenspartner haben.
Aber wir waren nicht die Ersten. Die Fussstapfen der Schweizer in
Istanbul können weit zurück verfolgt werden und wurden in einem
kürzlich erschienenen Buch von Stefan Sigerist recherchiert. Wir
wussten es ja: Die Schweizer haben schon immer Geschichte
geschrieben...
Unsere Recherchen gehen zurück bis in die dreissiger Jahre. Damals
noch zu Constantinopels Zeiten, trafen sich regelmässig Schweizer
Geschäfts- und Handelsleute zum „Circle Helvetica“. Es war eine reine
Männergruppe, die sich bei Bier und Stumpen an der İstiklâl Caddesi in
Beyoğlu eintraf. 1931 wurde daraus ein offizieller Verein, der unter
dem Namen İstanbul İsviçre Kulübü (Schweizer Klub Istanbul) ins
türkische Vereinsregister eingetragen wurde. Mitglieder aber blieben
vorwiegend Männer, die die Tradition vom „Circle Helvetica“
weiterführten. Im Jahre 1974 wurde die erste Frau, die einen Türken
heiratete und mit ihm nach Istanbul kam, in den Verein aufgenommen.
Noch heute gehört sie, im Gegensatz zu den meisten Herren von damals,
zu unseren aktiven Mitgliedern! Somit war die alte Tradition gebrochen
und ihr folgten dann weitere Frauen.
Auf dieser langen Reise, vermutlich irgendwo um 1960 verkaufen die
Schweizer ihr Vereinslokal. Die Gründe sind uns leider nicht bekannt,
doch nehmen wir an, als die Glanzzeiten der einst so edlen İstiklâl
Caddesi, wo einst die europäischen Mächte ihre Botschaften
einrichteten (die heute natürlich allesamt Konsulate sind), wo einst
Könige und Taschendiebe flanierten, die mondäne Welt quoll, wo das
Leben bis in die 50er Jahre pulsierte, vorbei waren. Folge einer
enormen Zuwanderung aus Anatolien sowie Vertreibung der ausländischen
Minderheiten wie Griechen, Armeniern und Juden. Seit ein paar Jahren
lernte man den Wert dieser Gegend, die ihren kosmopolitischen
Charakter zum Glück nie verloren hatte, wieder zu schätzen und die
Häuser werden nach und nach, meist im Originalfassage, restauriert.
Heute gehört die 3 km lange İstiklâl Caddesi („Strasse der
Unabhängigkeit“) wieder zu der Topadresse von Künstlern,
Intellektuellen, Nachtschwärmer und ein Muss für alle
Einkaufsfreudigen.
Im Schweizer Club hat sich viel verändert und leider stehen wir immer
noch ohne Vereinslokal da, dafür wurden die veralteten Statuten längst
unserer multikulturellen Gesellschaft angepasst und bieten ein
Zusammensein unter Schweizern und Freunde der Schweiz.
Dieser einst so enge Vereinskontakt wurde durch die heutige Techologie
und günstiges Reisen etwas gelockert. Ein weiteres Hindernis einer
15-Millionenstadt sind die enormen Distanzen. Man trifft sich eher in
kleineren Gruppen, hat unterdessen einen eigenen Freundeskreis
aufgebaut oder hat familiäre Verpflichtungen. Doch noch nie hatte der
Schweizer Club so viele Mitglieder wie heute; wir zählen fast 260
Mitglieder, davon 132 Männer und 126 Frauen. Diese Zahl widerruft den
Fortschritt der modernen Welt und wir laden alle Schweizer, aber auch
Personen, die eine enge Beziehung zur Schweiz pflegen, ein,
mitzumachen. Auch Kinder sind herzlichst willkommen, ihre Teilnahme
ist gratis. Das Jahresprogramm gestaltet sich aus 6 – 7
Veranstaltungen, darunter die traditionellen Anlässe wie die
Nationalfeier, das Picknick im Grünen, die Osterfeier, der Fondueabend
und die St. Nikolaus-Feier.
So hoffen auch wir, dass der heutige Schweizer Club in die Geschichte
eingehen wird und wünschen, dass er noch eine ebenso lange und
erfolgreiche Zukunft vor sich hat.
Corina Bilhan, Vizepräsidentin
Istanbul, den 10.06.2004
BUCHTIPP:
Stefan Sigerist: Schweizer im Orient
Dieses Buch
erzählt in einer lebendigen Art und Weise das Leben der Schweizer, die im
Ottomanischen Reich lebten. Sie haben ihr Glück in Istanbul, Bagdad,
Teheran, Beirut, Baku usw. gesucht und ihre Abenteuer sind
geschichtsträchtig. Es ist amüsant zu lesen, dass die Eidgenossenschaft
seinerzeit die Schweizer gefragt hatte, ob sie sich eine Vertretung in
Istanbul wünschten und ein einstimmiges ‚Nein’ als Antwort der sonst
dividierten Kolonie zu hören bekamen. Dies weil unserer Landsleute
damals den Schutz der Grossmächte vorzogen. Würde man heutzutage einem
Schweizer den konsularischen Schutz verweigern, weil er ein Bordell
führt? Die von den Schweizern erlebte Trübsal in diesem Teil der Welt
ist in ausgezeichneter Weise erzählt. Mit den Schweizernamen, die man
auf jeder Seite entdeckt, wird auch das tägliche Leben beschrieben,
das ähnliche Geschichtsbücher bis dahin nicht erzählten. Wenn man das
Buch fertig gelesen hat, bedauert man, dass das Leben der ‚Schweizer im
Orient’ so früh zu Ende gegangen ist.
Bestellungen an:
Herrn Stefan Sigerist,
Hermann Rorschach Strasse 23,
CH-8200 Schaffhausen
Tel. 0041 –
52 – 664 3400,
Email:
s.sigerist@sigerist.ch