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   Brief des Präsidenten

   Auf den Spuren des Schweizer Club Istanbul


 

Liebe Clubmitgliederinnen und Clubmitglieder,

Ende April 04 wurde während der Generalversammlung des Schweizerclubs das neue Komitee für die nächsten 2 Jahre gewählt. Der neu gewählte Vorstand, inklusive Ersatzkomitee, hat die ersten Aufgaben wie zum Beispiel das neue Erscheinungsbild unserer Internetseite, mit Erfolg in Angriff genommen, und ich freue mich diesem als Präsident vorzustehen.


Das Komitee 2004-2006


Steht die Generalversammlung bevor, kommt der Zeitpunkt, in dem man nochmals die letzten 2 Jahre im Kopfe „revue“ passieren lässt und sich fragt, ob man die gesetzten Ziele erreicht hat oder nicht. Die Antwort dazu können eigentlich nur Sie, geschätzte Mitglieder, geben.

Eine meiner wichtigsten Fragen ist eigentlich die Wertstellung eines Clubs in der heutigen Zeit: Wenn ich an meine Grosseltern zurückdenke, war doch früher ein Abend in einem Restaurant oder die Möglichkeit zu haben, an einem Clubanlass teilzunehmen, etwas spezielles. Es hat sich vieles geändert in der heutigen Zeit. Man ist froh, wenn man an einem Abend mal keine Einladung oder sonstige Verpflichtungen hat. Ich kenne dieses Gefühl zu genüge. Ist man doch heutzutage geschäftlich sehr engagiert und viele Anlässe sind wahrzunehmen. Zudem kommt auch noch das Gefühl der „Dazugehörigkeit“, was mit sich bringt, dass alle „In“-Plätze und Restaurants besucht werden müssen, um am Small-Talk mithalten zu können.
Bei all diesen Verpflichtungen kommt nun die Frage auf, habe ich da noch Zeit für ein Clubleben?

Ich bin überzeugt, dass der Schweizerclub für viele eine wichtige Anlaufstelle ist und auch nicht wegzudenken ist. Man kann sich mal für eine kurze Zeit in eine andere Welt versetzen, und den Stress des Alltags vergessen. Ich hoffe sehr, meine verehrten Mitglieder, dass Sie diese Meinung mit mir teilen und dass Sie einige unserer Jahresanlässe besuchen werden, um gemeinsam den Alltagsstress zu vergessen.

Wir, das Komitee des Schweizerclubs, freuen uns sehr, Sie an unseren Anlässen begrüssen zu dürfen und zusammen gemütliche und ungezwungene Stunden zu verbringen.

Andreas Schori
Präsident
Istanbul, den 10.06.2004


 

Auf den Spuren des Schweizer Club Istanbul

Istanbul ist die einzige Stadt auf zwei Kontinenten und zugleich eine der grössten und ältesten noch bestehenden Städte der Welt. Eine Metropole mit vielen Gesichtern: Sie zieht jährlich Millionen von ausländische Touristen ebenso an wie mittellose Landflüchtige aus der ganzen Region. Istanbul ist prachtvoll und nervenaufreibend zugleich. Hier leben über 15 Millionen Menschen in einem Durchmesser von 350 Kilometern eng aufeinander, und sie wächst unkontrolliert weiter...

So zog es auch uns einst nach Istanbul. Warum es uns ausgerechnet hierher trieb, hat verschiedene Gründen: berufliche, weil wir von der Firma entsandt wurden oder private, weil wir uns hier bessere Chancen versprachen oder weil wir einen türkischen Lebenspartner haben.

Aber wir waren nicht die Ersten. Die Fussstapfen der Schweizer in Istanbul können weit zurück verfolgt werden und wurden in einem kürzlich erschienenen Buch von Stefan Sigerist recherchiert. Wir wussten es ja: Die Schweizer haben schon immer Geschichte geschrieben...

Unsere Recherchen gehen zurück bis in die dreissiger Jahre. Damals noch zu Constantinopels Zeiten, trafen sich regelmässig Schweizer Geschäfts- und Handelsleute zum „Circle Helvetica“. Es war eine reine Männergruppe, die sich bei Bier und Stumpen an der İstiklâl Caddesi in Beyoğlu eintraf. 1931 wurde daraus ein offizieller Verein, der unter dem Namen İstanbul İsviçre Kulübü (Schweizer Klub Istanbul) ins türkische Vereinsregister eingetragen wurde. Mitglieder aber blieben vorwiegend Männer, die die Tradition vom „Circle Helvetica“ weiterführten. Im Jahre 1974 wurde die erste Frau, die einen Türken heiratete und mit ihm nach Istanbul kam, in den Verein aufgenommen. Noch heute gehört sie, im Gegensatz zu den meisten Herren von damals, zu unseren aktiven Mitgliedern! Somit war die alte Tradition gebrochen und ihr folgten dann weitere Frauen.

Auf dieser langen Reise, vermutlich irgendwo um 1960 verkaufen die Schweizer ihr Vereinslokal. Die Gründe sind uns leider nicht bekannt, doch nehmen wir an, als die Glanzzeiten der einst so edlen İstiklâl Caddesi, wo einst die europäischen Mächte ihre Botschaften einrichteten (die heute natürlich allesamt Konsulate sind), wo einst Könige und Taschendiebe flanierten, die mondäne Welt quoll, wo das Leben bis in die 50er Jahre pulsierte, vorbei waren. Folge einer enormen Zuwanderung aus Anatolien sowie Vertreibung der ausländischen Minderheiten wie Griechen, Armeniern und Juden. Seit ein paar Jahren lernte man den Wert dieser Gegend, die ihren kosmopolitischen Charakter zum Glück nie verloren hatte, wieder zu schätzen und die Häuser werden nach und nach, meist im Originalfassage, restauriert. Heute gehört die 3 km lange İstiklâl Caddesi („Strasse der Unabhängigkeit“) wieder zu der Topadresse von Künstlern, Intellektuellen, Nachtschwärmer und ein Muss für alle Einkaufsfreudigen.

Im Schweizer Club hat sich viel verändert und leider stehen wir immer noch ohne Vereinslokal da, dafür wurden die veralteten Statuten längst unserer multikulturellen Gesellschaft angepasst und bieten ein Zusammensein unter Schweizern und Freunde der Schweiz.

Dieser einst so enge Vereinskontakt wurde durch die heutige Techologie und günstiges Reisen etwas gelockert. Ein weiteres Hindernis einer 15-Millionenstadt sind die enormen Distanzen. Man trifft sich eher in kleineren Gruppen, hat unterdessen einen eigenen Freundeskreis aufgebaut oder hat familiäre Verpflichtungen. Doch noch nie hatte der Schweizer Club so viele Mitglieder wie heute; wir zählen fast 260 Mitglieder, davon 132 Männer und 126 Frauen. Diese Zahl widerruft den Fortschritt der modernen Welt und wir laden alle Schweizer, aber auch Personen, die eine enge Beziehung zur Schweiz pflegen, ein, mitzumachen. Auch Kinder sind herzlichst willkommen, ihre Teilnahme ist gratis. Das Jahresprogramm gestaltet sich aus 6 – 7 Veranstaltungen, darunter die traditionellen Anlässe wie die Nationalfeier, das Picknick im Grünen, die Osterfeier, der Fondueabend und die St. Nikolaus-Feier.

So hoffen auch wir, dass der heutige Schweizer Club in die Geschichte eingehen wird und wünschen, dass er noch eine ebenso lange und erfolgreiche Zukunft vor sich hat.

Für das Komitee
Corina Bilhan
Istanbul, den 10.06.2004

 

BUCHTIPP

Stefan Sigerist

Schweizer im Orient

Dieses Buch erzählt in einer lebendigen Art und Weise das Leben der Schweizer, die im Ottomanischen Reich lebten. Sie haben ihr Glück in Istanbul, Bagdad, Teheran, Beirut, Baku usw. gesucht und ihre Abenteuer sind geschichtsträchtig. Es ist amüsant zu le­sen, dass die Eidgenossenschaft seiner­zeit die Schweizer gefragt hatte, ob sie sich eine Vertretung in Istanbul wünschten und ein einstimmiges ‚Nein’ als Antwort der sonst dividierten Kolonie zu hören be­ka­men. Dies weil unserer Landsleute damals den Schutz der Grossmächte vorzogen. Wür­de man heut­zutage einem Schweizer den kon­su­la­ri­schen Schutz verweigern, weil er ein Bor­dell führt? Die von den Schwei­zern erlebte Trüb­sal in diesem Teil der Welt ist in aus­ge­zeichneter Weise erzählt. Mit den Schwei­zer­namen, die man auf jeder Sei­te ent­deckt, wird auch das tägliche Le­ben be­schrie­ben, das ähnliche G­schichte­bücher bis dahin nicht erzählten. Wenn man das Buch fertig gelesen hat, be­dauert man, dass das Leben der ‚Schweizer im Orient’ so früh zu Ende gegangen ist.

Bestellungen an:

Herrn Stefan Sigerist
Hermann Rorschach Strasse 23
CH-8200 Schaffhausen
Tel. 0041 – 52 – 664 3400

Email:
s.sigerist@sigerist.ch


Das Buch kostet CHF 50.- excl.Portospesen