Kontakt    FRANÇAIS  

 

Home

Das Komitee

Die Geschichte

Auslandschweizerrat (ASO)

Veranstaltungen

Infos und Aktuelles

Mitgliedsantrag / Statuten

Archiv / Foto Album

CH-Vertretungen

Erdbebenvorsorge

Unsere Sponsoren

Presse

 

 

  Buchtipp:

 

Stefan Sigerist: Schweizer im Orient

Dieses Buch erzählt in einer lebendigen Art und Weise das Leben der Schweizer, die im Ottomanischen Reich lebten. Sie haben ihr Glück in Istanbul, Bagdad, Teheran, Beirut, Baku usw. gesucht und ihre Abenteuer sind geschichtsträchtig. Es ist amüsant zu lesen, dass die Eidgenossenschaft seinerzeit die Schweizer gefragt hatte, ob sie sich eine Vertretung in Istanbul wünschten und ein einstimmiges ‚Nein’ als Antwort der sonst dividierten Kolonie zu hören bekamen. Dies weil unserer Landsleute damals den Schutz der Grossmächte vorzogen. Würde man heutzutage einem Schweizer den konsularischen Schutz verweigern, weil er ein Bordell führt? Die von den Schweizern erlebte Trübsal in diesem Teil der Welt ist in ausgezeichneter Weise erzählt. Mit den Schweizernamen, die man auf jeder Seite entdeckt, wird auch das tägliche Leben beschrieben, das ähnliche Geschichtsbücher bis dahin nicht erzählten. Wenn man das Buch fertig gelesen hat, bedauert man, dass das Leben der ‚Schweizer im Orient’ so früh zu Ende gegangen ist.

 

Bestellungen an:

Herrn Stefan Sigerist,

Hermann Rorschach Strasse 23,

CH-8200 Schaffhausen

Tel. 0041 – 52 – 664 3400,

Email: s.sigerist@sigerist.ch

  Auf den Spuren des Schweizer Club Istanbul

Istanbul ist die einzige Stadt auf zwei Kontinenten und zugleich eine der grössten und ältesten noch bestehenden Städte der Welt. Eine Metropole mit vielen Gesichtern: Sie zieht jährlich Millionen von ausländische Touristen ebenso an wie mittellose Landflüchtige aus der ganzen Region. Istanbul ist prachtvoll und nervenaufreibend zugleich. Hier leben über 15 Millionen Menschen in einem Durchmesser von 350 Kilometern eng aufeinander, und sie wächst unkontrolliert weiter...

So zog es auch uns einst nach Istanbul. Warum es uns ausgerechnet hierher trieb, hat verschiedene Gründen: berufliche, weil wir von der Firma entsandt wurden oder private, weil wir uns hier bessere Chancen versprachen oder weil wir einen türkischen Lebenspartner haben.

Aber wir waren nicht die Ersten. Die Fussstapfen der Schweizer in Istanbul können weit zurück verfolgt werden und wurden in einem kürzlich erschienenen Buch von Stefan Sigerist recherchiert. Wir wussten es ja: Die Schweizer haben schon immer Geschichte geschrieben...

Unsere Recherchen gehen zurück bis in die dreissiger Jahre. Damals noch zu Constantinopels Zeiten, trafen sich regelmässig Schweizer Geschäfts- und Handelsleute zum „Circle Helvetica“. Es war eine reine Männergruppe, die sich bei Bier und Stumpen an der Ýstiklâl Caddesi in Beyoðlu eintraf. 1931 wurde daraus ein offizieller Verein, der unter dem Namen Ýstanbul Ýsviçre Kulübü (Schweizer Klub Istanbul) ins türkische Vereinsregister eingetragen wurde. Mitglieder aber blieben vorwiegend Männer, die die Tradition vom „Circle Helvetica“ weiterführten. Im Jahre 1974 wurde die erste Frau, die einen Türken heiratete und mit ihm nach Istanbul kam, in den Verein aufgenommen. Noch heute gehört sie, im Gegensatz zu den meisten Herren von damals, zu unseren aktiven Mitgliedern! Somit war die alte Tradition gebrochen und ihr folgten dann weitere Frauen.

Auf dieser langen Reise, vermutlich irgendwo um 1960 verkaufen die Schweizer ihr Vereinslokal. Die Gründe sind uns leider nicht bekannt, doch nehmen wir an, als die Glanzzeiten der einst so edlen Ýstiklâl Caddesi, wo einst die europäischen Mächte ihre Botschaften einrichteten (die heute natürlich allesamt Konsulate sind), wo einst Könige und Taschendiebe flanierten, die mondäne Welt quoll, wo das Leben bis in die 50er Jahre pulsierte, vorbei waren. Folge einer enormen Zuwanderung aus Anatolien sowie Vertreibung der ausländischen Minderheiten wie Griechen, Armeniern und Juden. Seit ein paar Jahren lernte man den Wert dieser Gegend, die ihren kosmopolitischen Charakter zum Glück nie verloren hatte, wieder zu schätzen und die Häuser werden nach und nach, meist im Originalfassage, restauriert. Heute gehört die 3 km lange Ýstiklâl Caddesi („Strasse der Unabhängigkeit“) wieder zu der Topadresse von Künstlern, Intellektuellen, Nachtschwärmer und ein Muss für alle Einkaufsfreudigen.

Im Schweizer Club hat sich viel verändert und leider stehen wir immer noch ohne Vereinslokal da, dafür wurden die veralteten Statuten längst unserer multikulturellen Gesellschaft angepasst und bieten ein Zusammensein unter Schweizern und Freunde der Schweiz.

Dieser einst so enge Vereinskontakt wurde durch die heutige Techologie und günstiges Reisen etwas gelockert. Ein weiteres Hindernis einer 15-Millionenstadt sind die enormen Distanzen. Man trifft sich eher in kleineren Gruppen, hat unterdessen einen eigenen Freundeskreis aufgebaut oder hat familiäre Verpflichtungen. Doch noch nie hatte der Schweizer Club so viele Mitglieder wie heute; wir zählen zur Zeit 185 Mitglieder, davon 90 Männer und 95 Frauen. Diese Zahl widerruft den Fortschritt der modernen Welt und wir laden alle Schweizer, aber auch Personen, die eine enge Beziehung zur Schweiz pflegen, ein, mitzumachen. Auch Kinder sind herzlichst willkommen, ihre Teilnahme ist gratis. Das Jahresprogramm gestaltet sich aus 6 – 7 Veranstaltungen, darunter die traditionellen Anlässe wie die Nationalfeier, das Picknick im Grünen, die Osterfeier, der Fondueabend und die St. Nikolaus-Feier.

So hoffen auch wir, dass der heutige Schweizer Club in die Geschichte eingehen wird und wünschen, dass er noch eine ebenso lange und erfolgreiche Zukunft vor sich hat.

Corina Bilhan, Vizepräsidentin
Istanbul, den 10.06.2004